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Verborgene Widerstände enttarnen

Das Leben bringt jeden Tag neue Lerneinheiten mit sich. Und wir erfahren mit fortschreitenden Alter auch, dass es manchmal einfach besser ist nichts zu sagen. Egal ob im Meeting mit den Arbeitskollegen oder daheim am Abendbrottisch – die wahren Gefühle bleiben im Verborgenen. Die Crux daran: wenn man auf diese Signale nicht achtet und es unterlässt auf diese zu reagieren, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Absprachen, Verträge oder Vereinbarungen nicht eingehalten werden – es lohnt sich also einen genaueren Blick auf die Körpersprache zu richten. Gerade die Mimik verrät dabei zuverlässig, was in Menschen wirklich vorgeht: Sie trägt die wahren Gefühle nach Außen, ob wir es wollen, oder nicht. 

US-Präsident Donald Trump lässt sich zweifelsohne viel vorwerfen, aber nicht, dass er sein Gesicht kontrollieren könne. Er ist ein wahrer Fundus an verborgenen Widerständen. Die sieben Spitzenreiter, die vermehrt im mimischen Alltag auftreten, finden Sie unten:  

#1 Angehobene Augenbrauen

Quelle: www.giphy.com

Augenbrauen sind die dominantesten Kommunikatoren im Gesicht und für einige Forscher sogar dermaßen interessant, dass sie ihren beruflichen Fokus darauf gerichtet haben (weitere Infos im Link). Sie können nicht nur offenlegen, ob wir angesäuert, traurig, überrascht oder ängstlich sind, sondern auch darlegen, dass wir die Meinung eines anderen nicht teilen. Gerade beim Zuhören verrät das Anheben der Augenbrauen, dass wir die Meinung des Erzählenden nicht teilen. 

#2 Geschürzte Lippen

Quelle: www.giphy.com

Rote Lippen soll man küssen! Dem ist aber nicht immer so. Laut des ehemaligen FBI-Agents und Verhörspezialisten, Joe Navarro, verraten geschürzte Lippen auch innere Widerstände. Gerade wenn diese Bewegung beim Gesprächspartner kurzzeitig auftritt, sollte man tunlichst noch einmal genauer nachhaken, um keine böse Überraschung erleben zu müssen. 

#3 Angehobenes Kinn

Quelle: www.giphy.com

Entweder jemand hat keine Ahnung, oder er/sie ist nicht überzeugt – genauso könnte der Untertitel für diesen Gesichtsausdruck lauten. Sobald sich das Kinn nach oben schiebt und die Unterlippe dadurch deutlich heraussteht, steht entweder Unwissenheit oder ein Widerstand im Raum. Den entscheidenden Unterschied macht die Körpersprache. Bei ersterem erfolgt der Ausdruck meist ohne gestische Veränderung. Handelt es sich jedoch um einen Einwand, dann geht oftmals ein subtiles Kopfschütteln oder vergleichbares Ablehnungssignal einher.

#4 Shoulder Shrug

Quelle: www.giphy.com

„To shrug“ bedeutet soviel wie zucken oder hervorblitzen. Dr. Paul Ekman, Mimikpionier und Lügenerkennungsexperte der ersten Stunde, untersuchte dieses Verhalten genauer. Er fand heraus, dass das einseitige Schulterzucken dafür steht, dass der Körper widerspricht. Tritt das Zucken der Schulter einseitig auf, dann ist der Protagonist von seiner Aussage nicht restlos überzeugt.

#5 Eingepresster Mundwinkel

Quelle: www.giphy.com

Einseitig eingepresste Mundwinkel sind emotionale Warnbarken. Sie stehen wie kaum eine anderes Signal für eine tiefgreifende Skepsis. Ferner können sie als flüchtige Mikroexpression auch ein Hinweis auf Verachtung sein. Wird dieses Signal übergangen, dann endet das Gespräch und damit auch Ihr Vorhaben, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in einer Sackgasse. 

#6 Nase rümpfen 

Quelle: www.giphy.com

Die Dame rechts schreit ihre Ablehnung regelrecht mimisch heraus, denn das Rümpfen der Nase, gehört ähnlich wie das Anheben der Oberlippe zum Erleben eines Ekels. Dieser Ausdruck ist im mimischen Alltag sehr beliebt. Er gehört zu den Widerstandssignalen, die am häufigsten auftreten. Aber im Gegensatz zum Widerstandssignal #5 (Einpressen des Mundwinkels) ist Hopfen und Malz noch nicht verloren, denn der Ausdruck tritt in Folge einer situativen / nicht fundamentalen Ablehnung auf und kann sich auch auf die eigene Aussage beziehen.  

#7 Lippen pressen

Quelle: www.giphy.com

„Fire and Fury“ – „Feuer und Zorn“! Gepresste Lippen entstehen, wenn Ärger kontrolliert wird. Hier ist Achtung geboten! Dieses Widerstandssignal deutet an, dass die Ziele des Gegenübers gerade behindert werden. In Folge dessen werden heftige emotionale Reaktionen oder Übersprungshandlungen wahrscheinlicher. Eine schnelle Reaktion ist von Nöten. Wie genau das funktioniert, beleuchtet der letzte Abschnitt.

Umgang mit unausgesprochenen Widerständen

Bei den o.g. Signalen handelt es sich um die Auswahl der am häufigsten auftretenden Widerstandssignale. Positiver betrachtet lassen sie sich auch als Zeichen eines offenen Wunsches interpretieren. Und genau das ist aus kommunikativer Sicht auch die eleganteste Methode, um auf verborgene Widerstände einzugehen. Wenn Ihnen also das nächste Mal eines der sieben Signale ins Gesicht springt, tun Sie folgendes: Formulieren Sie eine Botschaft aus Ihrer Perspektive („Ich habe das Gefühl, dass…„; „Ich habe den Eindruck, dass“ o.ä.) und fahren Sie weiter fort mit, „…dass bei dir noch Wünsche offen sind. Was wünschst du dir also?“ Mit dieser simplen, aber ebenso effektiven Technik holen Sie Ihren Gesprächspartner gekonnt ab und motivieren ihn das Unausgesprochene auszusprechen – was Ihnen am Ende selber hilft bessere Beziehungen zu Ihren Mitmenschen aufzubauen und mit dem schönen Nebeneffekt, auch Ihren Zielen ein Stückchen näher kommen zu können. 

  • Körner mit offenen Händen

Führungskräfte stehen vor vielen Herausforderungen. Sie sind Motivator, Mediator und nicht zuletzt Entscheider. Sie müssen den Spagat beherrschen, verschiedene Interessen zu vertreten und letztlich für den Unternehmenserfolg zu bahnen. René Oberkirsch von Phenom trainiert Manager und solche, die es werden wollen. Im Interview spricht er über die großen Herausforderungen von Führungskräften.

„Führung ist Kommunikation“

Herr Oberkirsch, welche Rolle spielt eine Führungskraft im Unternehmen?

René Oberkirsch (RO): Welche Rolle spielt eine FührungskraftRené Oberkirsch - Phenom UG im Unternehmen? Nun, ich würde sagen die richtige. Pauschal kann ich diese Frage nicht beantworten, da die Praxis deutlich zeigt, dass sich eine Führungskraft auf viele verschiedene Situationen, Menschen und Bedingungen einstellen können muss. In jedem Fall aber soll Sie Orientierung geben und Rahmenbedingungen herstellen, die zum Erreichen der Unternehmens- und Mitarbeiterziele notwendig sind. Wenn Sie mich jetzt auf eine Aussage festnageln wollen würden, dann würde ich antworten: Eine Führungskraft sollte wie eine flexible Elektroleitung sein. Sie verbindet die essentiellen Dinge miteinander und sorgt dafür, dass die Energie kanalisiert an genau die richtigen Stellen kommt, damit sich der Motor dreht.

Was muss eine Führungskraft mitbringen, damit sie überzeugt?

RO: Eine gute Frage. An dieser Stelle möchte ich einen Schritt zurückgehen und die Frage stellen: Was ist überzeugend?

Hier haben wir aus meiner Sicht 2 Dinge zu betrachten: Zum einen die Sachlage und zum anderen die Gefühlslage. Ohne zu wissenschaftlich an die Sache heranzugehen, überzeugend ist, was schlüssig ist, was ich klar und einfach nachvollziehen kann. Eine Führungskraft im heutigen Unternehmensumfeld, wo Informationen für Jedermann nahezu überall und zu jeder Zeit kostenfrei zur Verfügung stehen und gegengeprüft werden können, sollte von vornherein dafür sorgen, dass kommunizierte Informationen stimmig sind und zum Wohle der gesamten Unternehmung beitragen.

Wie uns spätestens Schulz-von-Thun eindrucksvoll eröffnet hat, spielen aber genau diese Informationen die kleinste Rolle in der Kommunikation und damit auch in der Überzeugungskraft.

Überzeugend ist, was echt ist. Je authentischer eine Führungskraft von Ihren Mitarbeitern wahrgenommen wird, je mehr sie selbst hinter dem zu stehen scheint, was sie sagt, umso mehr Sicherheit, umso mehr Orientierung, umso überzeugender erscheint sie auch. Wer aus meiner Sicht glaubt, er könne eine Rolle spielen, ohne sie angenommen zu haben, wird mit den Ergebnissen seiner Führungsarbeit schnell eines besseren belehrt.

Im mittleren Management müssen Vorgesetzte das Spiel beherrschen Vorgaben umzusetzen und Interessen aus ihrem Bereich nach „oben“ zu kommunizieren. Wie gelingt dieser Spagat?

RO: Spagat, ja? Ich antworte mal mit den Worten meiner Tochter. Sie ist Leistungsturnerin und antwortete auf folgende Frage: Wenn dich ein Mädchen, das noch nicht turnt, fragen würde: Wie gelingt dir ein so guter Spagat? Was würdest du sagen?

„… also, ich würde zu ihr sagen, mit viel üben. Am Anfang tat es sogar etwas weh. Das wurde aber immer weniger. Jetzt tut’s nicht mehr weh und ich kann mit Körperspannung und Ausdruckskraft einen sehr schönen Spagat zeigen. Das gibt dann auch viele Punkte beim Wettkampf ;-).“

Mit anderen Worten: Eine Führungskraft sollte sich darauf einlassen, beide Seiten kennenzulernen und im Sinne der Zielerreichung zu denken und zu handeln. Im Übrigen ist es ganz normal, dass es auf der einen oder anderen Seite mal wehtut. Wichtig ist hierbei die eigene Authentizität, denn nur mit Ihr bleibt man sich selber treu und ist langfristig in der Lage seine Mitarbeiter hinter sich zu bringen.

Unternehmensziele werden klar definiert und müssen durchgesetzt werden, um die Firma am Leben zu erhalten. Müssen Manager dann eigentlich noch empathisch sein, oder hindert es nur?

Empathie und managen? Zum Teil. Empathie und Führung? Auf jeden Fall. Warum ich einen Unterschied mache? … weil ein guter Manager je nach Ebene mehr oder weniger viel Empathie benötigt. Wer allerdings schwerpunktmäßig direkt Personal führt, für den gehört Empathie zur Grundvoraussetzung seiner erfolgreichen Führungsarbeit. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Führungskräfte sollten daran arbeiten, auf der einen Seite empathisch zu sein, auf der anderen Seite jedoch nicht spontan auf der Gefühlsebene zu reagieren. Sie sollten sich hier in die Meta-Ebene begeben können, um professionell agieren zu können.

Die Generation Y stößt unaufhaltsam auf den Arbeitsmarkt. Alt eingesessene Führungskräfte stehen vor neuen Herausforderungen. Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind die medial omnipräsenten Schlagworte. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung und wie sollten Führungskräfte auf diesen Paradigmenwechsel bestmöglich reagieren?

RO: Das ewige Thema „Generation Y“. Völlig egal sage ich! Wer sein Führungshandwerk beherrscht, der wird dieses oft diskutierte Thema nur geringfügig wahrnehmen. Führungsarbeit bedeutet vor allem auch, sich selbst kontinuierlich weiterzuentwickeln. Hier wird schnell klar, dass die Unternehmen, deren Führungskräfte bereitwillig an sich arbeiten, keine Probleme mit neuen Generationen haben werden. Wer das nicht tut, reagiert in der Regel auf veränderte Rahmenbedingungen mit altem Handwerkszeug, so als würde man versuchen einen Prozessor der neuesten Generation mit Lupe und Lötkolben herzustellen. Wie erfolgsversprechend das ist, ist nachvollziehbar.

Was kann man tun, wenn nun der Werkzeugkoffer nur älteres Werkzeug aufweist? Gehen Sie shoppen. Informieren Sie sich vorher, was genau Sie brauchen, wie man es einsetzt und wenden Sie es diszipliniert und sukzessive an. Wer kann Sie am besten informieren? Die Generation Y selbst. Und hier finden wir uns plötzlich wieder im Mitarbeitergespräch, mit der ohnehin fortwährenden Führungsaufgabe „Verschaffen Sie sich ein möglichst umfassendes Informationsbild und passen Sie Ihre Handlungen darauf an.“

Welche Rolle spielt die nonverbale Kommunikation bei der Führung von Mitarbeitern?

RO: Kurz und knapp: Führung ist Kommunikation. Kommunikation ist zu 93% nonverbal. Also spielt die nonverbale Kommunikation die Kleinigkeit eines Löwenanteils bei der Führung von Mitarbeitern und hat einen wesentlichen Einfluss auf den Führungserfolg.

Sehen Sie einen Vorteil darin, die Emotionale Intelligenz von Führungskräften zu fördern?

Wenn ich frech wäre, würde ich auf meine eben genannte Antwort verweisen. 😉 Selbstverständlich! Die nonverbale Kommunikation wird durch unsere Emotionen gesteuert und ist nur zu geringsten Teilen von uns beeinflussbar. Mikroexpressionen zum Beispiel, können wir überhaupt nicht steuern. Wer Sie lesen kann, der erhöht seine Fähigkeit auf Mitarbeiter einzugehen, sie zu verstehen und zu fördern deutlich.

Wie sollte diese Förderung aus Ihrer Sicht ablaufen?

RO: Das ist einfach erklärt. Als Spezialist für Kompetenztrainings weiß ich, dass die bloße Wissensvermittlung hier nicht erfolgreich ist. Ein kontinuierliches, begleitetes Training zum Aufbau von neuen Fähigkeiten und Verhaltensweisen ist hier unumgänglich. Nur so stellen Unternehmen sicher, dass Ihre Führungskräfte dieses Wissen richtig in die Umsetzung bringen und schützen damit auch Ihre Investition, denn nur was wir tun wird schlussendlich auch Wirkung entfalten.

Herr Oberkirsch, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Robert Körner.